Eine Ybriger Sage,
nach Meinrad Lienert,
übersetzt in
die Mundart durch Pius Fässler.
Früener einisch hed die
ganz Jässänä a eim einzigä Puur ghört. Äs isch das schönscht Heimä
im ganzä Ybrig gsi und sig bis zoberscht auf Guggäräflue usä gangä.
Uf dä Guggäräflue aber, wo d'Flue wie nä Wand is Tal vo dä Stillä
Waag appä ghid, isch äs ughürig. Det gits ä Geischt, wo dä Lüt
mängisch ghulfä heig.
Amänä Namittag, änds Heumonet, hed dä
Jässänä-Puur gägä s'Holz uf dä Guggäräflue viel Heu ligid gha. Due
heds uf einisch wie usm heiterä Himmel afä tundärä, und äs isch nid
lang gangä, sind schwarzi Wulchä überä Neiselerstock inä chou. Jetz
hed alls müässä diusä. Nur grad d'Chatz isch im Hus blibä und d'Frau,
wo Zwilling im Guutschli gha hed.
D'Lüt us dä Jässänä hend sich uf
Tod und Läbä gwehrt, und d'Frau, wo sich vorm Gwitter gfürchdid hed,
hed d'Ächs usm Ambäck zerrt und isch vor s'Hus usä gsprungä und hed
si mid em Ghauidä nach ufä i Wasä gheckt, um ä sou dä Wätterhäxä
z'wehrä, wänn sis öppä uf s'Huus abgseh hättid.
Drufappä isch si
ruhig bi dä Zwillingä gsi, bis äs uf einisch brandtüfelschwarz usem
Tobel ufä chou isch und äs hed blitzt und tundered wie bim
Wältundergang. Jetz trampt öpper vor em Huus über d'Steiplattä
und über s'Stägäbrüggli duruf, und öppis rüeft: «Gang gleitig uf
Guggärä und hilf im Heu!»
Wo sie aber durs Pfeischer nachägluegt hed,
wer da grüeft hed, isch niemer meh umä gsi. Sie hed dä gschwind
s'Pfeischter zue gnu und hed wellä zum Huus us gah. Aber i dem
Momänt sind die zwei Büöblä verwachid und hend afä brüelä. Sie hed
si tröschted, aber die Zwilling hend nur nu meh afä schriä. Sie hed
scho wellä blibä, wo sie ihrä Namä äs zweits Mal vo dä Guggärä har
ghört hed. Jetzt hed sie ihrnä Zwilling s'Wichwasser gäh und hed
s'Guutschli vom Pfeischter i Ofäwinkel hindärä grützt und isch
änandäränaa gägä d'Guggärä ufä. Sie hed tuä ihrä Namä zum drittä Mal
ghört, aber wo sie obsi gluegt hed, isch niemer umä gsi.
Gli isch si
bi ihrnä Lüt gsi, und ohni viel Wort s'verlüre hed si afä Rächä.
Flissig hed dä Puur mid sinä Söhn und Chnächtä eis Heuburdäli ums
ander i Eusch itreid, und scho isch schier alls Heu under Dach und
Fach gsi, wos der Frau gsi isch, ihri Chind tägid im Wald ännä
schriä. Wo's nid hed wellä ufhörä, hed si ihrä Rächä lah ghiä und
isch gleitig i Wald ufä gu luogä. Wo si aber gägä d'Flue cho isch,
wo's gäch appä gahd, gseht si ufämä tupfäbnigä Tätsch äs chlisäs
Wybli mid ämä Puggel, wo ufämä Stei hured und öppis i ihrnä ghaaridä
Armä treid. Jetz erchännt si ihri zwei eigenä Chind. «Jesus Maria!»
schrid si und will uf das Puggelwibli los. Aber das isch wäg, und
nur nu ä Nachtülä hülped mit plampädä Fäckä hert vor ihrä zuochä i
d'Schtudä inä. Und jetz bricht äs Uwätter los wie nu nie.
Ä Wiil
isch äs dä Frau ganz andersch, sie meint, äs sig wäg dä Hitz. Sie
springt zrugg ufä Heublätz, und wo sie det niemert meh gseht, gaht
sie gleitig hei.
Mit tusig Ängscht um ihri Chind schiesst sie i
d'Stubä, wo ihrä alt Vatter, ihrä Maa und sis Volch umä Tisch hocked
und uf s'Väschper wartid. Sie luegt aber nid umä und gaht straks zum
Ofäwinkel, wo sie ihri Chind wohluf und gsund im Guutschli gfindt.
Und wo si nu gnäuer anä luegt, gseht sie, dass ä jedes äs
Frauäschüäli im Händli hed. Jetzt weiss sie, dass dr guet
Guggärägeischt zu ihrnä Chind glueged hed.
Wo dä das bös Wätter durä
und verbi gsi isch, isch d'Frau is Ybriger Chiläli ufä gangä und hed
die zwei Frauäschüäli ufä Altar gleid. Mer heig's dä nu mängä Moned
sauft gschmöckt.
Quelle: nach «Schweizer Sagen und Heldengeschichten» von Meinrad Lienert,
Levy & Müller Verlag, Stuttgart, 19. Auflage. |